Shiva und Jesus – Berührungen im Staub In der Religionsgeschichte wird häufig Krishna mit Christus verglichen – mitunter allein wegen der klanglichen Nähe der Namen. Doch diese Verbindung ist oberflächlich: Die übliche Lichtgestalt, der liebenswürdige Retter, der in den Ritualwelten residiert. Eine tiefere Resonanz lässt sich hingegen zwischen Shiva und Jesus finden – im Staub der menschlichen Randgebiete. Beide agieren nicht aus Palästen, sondern zwischen Unberührbaren, zerrissenen Leben und dem Gestank der Marginalität. Ihre Göttlichkeit zeigt sich dort, wo sie den Boden des Alltäglichen berühren. Der Ort des Geschehens Jesus begibt sich zu den Ausgegrenzten: Aussätzige, Zöllner, Ehebrecher, Besessene – Menschen, die gesellschaftlich „unclean“ und tabuisiert sind. Ein prägnantes Beispiel: In Matthäus 8,1–4 spricht ein Aussätziger: „Wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Jesus streckt die Hand aus und berührt ihn – was nach dem jüdischen Reinheitsgesetz verbote...